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Von der Straße in ein neues Leben

Fünf Jahre Start-Up-Wohnen bei der Diakonie

Mit 14 ist sie abgehauen. Zu Hause ging gar nichts mehr, da packte Jessica Schmitt (Name geändert) ihre Sachen. Sie kam bei Freunden unter, mal hier, mal dort, zwischendurch hat sie auch auf dem Friedhof geschlafen. Schließlich landete sie für einige Monate im Gefängnis, nachdem sie sich überreden ließ, für andere irgendwelche Verträge zu unterschreiben, hinter denen eine betrügerische Absicht stand. So schloss sie Handyverträge ab und eröffnete sogar einen Imbiss. Dazu Schwarzfahren und andere Kleindelikte. Jetzt, elf Jahre, nachdem sie von zu Hause wegging, versucht sie einen Neuanfang – in einem Start-Up-Apartment der Diakonie Düsseldorf und mit Hilfe des Betreuten Wohnens. 

Seit fünf Jahren gibt es das Start-Up-Wohnen bei der Diakonie. In vier Apartments können Menschen, die vorher keine Wohnung hatten, bis zu sechs Monate unterkommen. Mitarbeitende des Betreuten Wohnens kommen regelmäßig und klären mit ihnen, was zu klären ist. Bei Jessica Schmitt ist das eine ganze Menge. Das sind zum Beispiel die Schulden – so viel, dass bei der 25-Jährigen das Privatinsolvenzverfahren läuft. Aber dass das überhaupt in Gang gekommen ist, dafür hat Brigitta Maechtle gesorgt, ihre Betreuerin von der Diakonie. Und dann die Wohnungssuche, schließlich soll das Start-Up-Apartment nur eine Brücke sein, um erst einmal von der Straße zu kommen. Die sechs Monate seien optimistisch angesichts der Lage auf dem Düsseldorfer Wohnungsmarkt, gibt Brigitta Maechtle zu, aber sie könnten auch verlängert werden. Und das Apartment und damit die feste Wohnadresse vergrößern natürlich die Chancen bei der Wohnungssuche, genauso wie die Tatsache, dass die eigene Wohnung und die Betreuung vielen Menschen neue Struktur und eine Perspektive im Leben gibt. 

Bei jungen Menschen wie Jessica Schmitt helfen die Diakonie-Mitarbeitenden auch dabei, die Schule weiterzumachen und bei der Suche nach Praktikums- und Ausbildungsplätzen. „Ich hole gerade meinen Abschluss nach. Im nächsten Jahr habe ich schon einen Praktikumsplatz. Wenn alles gut läuft, kann ich dort auch eine Ausbildung machen.“

Die junge Frau hat Ziele im Leben: „Arbeit, eine große Wohnung, Familie.“ Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Aber die ersten Schritte sind getan – für Jessica Schmitt sind die ersten eigenen vier Wände tatsächlich ein "Start-Up" in ein neues Leben.

Vier Start-up-Apartments bietet die Diakonie Düsseldorf, ein Ausbau ist geplant. In den vergangenen fünf Jahren haben die Mitarbeitenden 28 Männer und Frauen dort betreut. 25 von ihnen haben im Anschluss eine eigene Wohnung gefunden.

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