„Die Leute müssen selbst hören, was wir erlebt haben“

Mohammad Ali musste seine Heimat Syrien verlassen. Heute lebt er in Düsseldorf – und spielt in seiner Freizeit Theater. Im FFT ist er jetzt mit weiteren jungen Performerinnen und Performern im Stück „Meeting Strangers“ zu sehen.

Bei der Proben von Meeting Strangers dabei sein? „Das geht leider nicht,  was die Jugendlichen erzählen, ist sehr persönlich und erst einmal nicht für die Öffentlichkeit bestimmt“, sagt Ingo Toben,  der gemeinsam mit jungen Zuwanderinnen und Zuwanderern am FFT (Forum Freies Theater) in Düsseldorf Theaterformate entwickelt. Auch Mohammad Ali, der schon beim Stück „Inviting Strangers“ – dem Vorgängerprojekt – mitgemacht hat, musste sich erst einmal überwinden, seine Geschichte zu erzählen. Vom Leben in Syrien, das einmal seine Heimat war, seinem an MS erkrankten Vater, der früher immer mit ihm herumtobte, wenn er von der Arbeit kam, aber auch vom Tod des Vaters, der in Syrien beerdigt ist und dessen Grab Mohammad wegen seines Aufenthaltsstatus nicht besuchen darf, vom Leben in Deutschland, das jetzt seine Heimat ist.

„Dabei ist es doch eigentlich  ganz normal seine Geschichte zu erzählen“, sagt der 18-Jährige. „Die Leute müssen von uns selbst hören, was wir erlebt haben  – sonst können sie uns nicht verstehen.“ Uns – damit meint Mohammad die Menschen, die wie er ihre Heimat verlassen mussten und nun in Deutschland leben, er meint aber auch die zwölf  jungen Performerinnen und Performer aus Syrien und aus Afghanistan, aus Albanien oder dem Irak, die wir er bei dem Theaterprojekt „Inviting Strangers“ auf der Bühne standen.

Fremdes erscheint vertraut, Vertrautes fremd 

In der Regel handelte es sich dabei um einen Teppichboden in einem Wohnzimmer, dem Küchenfußboden einer WG oder das die Jugendlichen nie zuvor gesehen haben. Denn ihre Geschichten erzählten die Jugendlichen nicht auf der Bühne im FFT, sondern beim Publikum zu Hause. „Die Begegnung mit dem Fremden stellt uns vor die Wahl: Wir können es abweisen oder einladen“ erläutert  Ingo Toben den Hintergrund des Projekts. „Bei Inviting Strangers konnte  das Publikum  seine Türen öffnen, und für einen Abend Gastgeber für Jugendliche, die neu in Deutschland sind, sein.“  Für Toben ein Spiel mit den Perspektiven: „Fremdes erscheint vertraut und Vertrautes fremd.“

Der Perspektivwechsel  forderte auch die Jugendlichen.   Denn in der Regel wollte das Publikum mehr erfahren, über die jungen Menschen, denen sie die Tür geöffnet haben. Mohammad fand es gut, wenn das Publikum Fragen stellte. Wenn er Antworten hatte, antwortet er, was er lieber für sich behalten wollte, behielt er für sich. Leicht seien die Gespräche aber nicht immer gewesen. Wie einige Menschen aus dem Publikum, sei auch er am Boden zerstört gewesen, als er die Geschichte eines seiner Mitstreiter hörte, auf den Grenzer bei der Überquerung der Grenze von Marokko nach Algerien geschossen hatten. „Ich dachte immer, was ich erlebt habe, ist schlimm. Aber andere haben noch viel schlimmere Dinge erlebt.“  

Vom Publikum gibt es viel Zuspruch

In der Regel habe  es vom Publikum viel Zuspruch gegeben, das tue gut, aber immer wieder habe es auch kritische Stimmen gegeben. „Die Leute haben zum Beispiel immer wieder gefragt, warum manche Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind, kein Deutsch lernen.“ Meist erzählt Mohammad dann von seiner Mutter, die jeden Tag Vokabeln paukt, und die beim Bäcker trotzdem immer noch nach Worten ringen muss. „Meine Mutter ist schon älter. Für sie ist es einfach schwerer, eine neue Sprache zu lernen – und Deutsch ist nicht gerade einfach.“  Seltsam  habe  das Publikum manchmal auch reagiert, als er auf seinen Berufswunsch zu sprechen kam. Mohammad möchte Polizist werden.  „Ich weiß gar nicht so richtig warum, aber ich hatte den Eindruck, die trauen mir das nicht zu.“

Mohammad macht in diesem Jahr seinen Realschulabschluss, seine Noten sind gut, das nächste Ziel ist das Fachabitur . Er treibt viel Sport – um fit zu sein für die Prüfung  an der Polizeischule. Und er will weiter Theater spielen. Deshalb ist er auch beim Nachfolgeprojekt  „Meeting Strangers“ dabei, das die Jugendlichen diesmal tatsächlich auf der Bühne des FFT Juta (Kasernenstraße 6) zeigen – und für das sie aus dem audiovisuellen Material ihrer Mobiltelefone Geschichten erarbeitet haben.

Termine: 

26. Oktober, 16 Uhr

27. Oktober, 18 Uhr

29. Oktober, 18 Uhr

3. November 16 Uhr 

 

 

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Anne Wolf
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