Kindertagespflege

Frischgebackene Tagesmutter

Doris Beiwinkel hat sich entschieden, ihrem Leben eine neue Wendung zu geben und Tagesmutter zu werden. Auch Corona konnte sie nicht stoppen. Die Diakonie hat sie auf ihrem Weg begleitet.

Stolz zeigt Doris Beiwinkel ihre sicher in Klarsichtfolie verpackte und in einem weißen Ordner steckende Pflegeerlaubnis. Diese ist Voraussetzung, um eine eigene Kindertagespflege zu führen. Für die frischgebackene Tagesmutter aus Gerresheim war es kein schneller Weg bis zu diesem Punkt. Aber es hat sich gelohnt.

Wir wollen wissen, welche Vorstellungen die Interessierten von der Kindertagespflege haben und ob ihre Kompetenzen und Fähigkeiten zu den gesetzlichen und kommunalen Ansprüchen passen

Angefangen hat alles, als Doris Beiwinkel zwei dicht mit Kleinkindern besetzte Bollerwagen in der Stadt entdeckte: „Da habe ich mir gesagt, ich werde jetzt auch Tagesmutter.“ Gesagt – getan. Doris Beiwinkel fing an zu recherchieren, wie man in Düsseldorf Tagespflegeperson werden kann und welche Voraussetzungen zu erfüllen sind. Zuerst galt es, sich für einen Träger zu entscheiden, der sie auf dem Weg zu ihrer eigenen Kindertagespflege und auch darüber hinaus begleiten würde. „Mit der Diakonie Düsseldorf habe ich schon bei der Suche nach einem Betreuungsplatz für meine inzwischen Fünfjährige gute Erfahrungen gemacht. Da fiel die Auswahl nicht schwer“, berichtet sie.

„Unsere erste Aufgabe ist die fachliche und persönliche Eignungsprüfung der Interessierten“, erklärt Sibylle Reimer von der Fachberatungsstelle für Kindertagespflege der Diakonie. „Die Tagespflegepersonen übernehmen selbstständig die Verantwortung für bis zu fünf Kleinkinder. Es geht nicht nur darum, aufzupassen, sondern auch darum, einen pädagogischen Bildungs- und Betreuungsauftrag umzusetzen.“ Deshalb gibt es für Interessierte mehrere Gesprächstermine, zum Kennenlernen, zur Informationsvermittlung, aber auch zum Ergründen von Erwartungen, Haltung und Motivation. „Wir wollen wissen, welche Vorstellungen die Interessierten von der Kindertagespflege haben und ob ihre Kompetenzen und Fähigkeiten zu den gesetzlichen und kommunalen Ansprüchen passen“, erläutert Sibylle Reimer. Frühestens nach zwei Gesprächen entscheiden die Mitarbeitenden der Fachberatung über die Vergabe eines Empfehlungsschreibens, das die Teilnahme an einem Qualifizierungskurs für Tagespflegepersonen ermöglicht.

Doris Beiwinkel hat sich für die Betreuung zu Hause entschieden

Doris Beiwinkel konnte im vergangenen Jahr noch zwischen einem 160-Stunden-Kurs und einem neu konzeptionierten 300 Unterrichtsstunden umfassenden Qualifizierungsprogramm wählen. Sie hat sich für die lange Version entschieden: „Wenn – dann richtig, habe ich mir gedacht. So bin ich auf dem neusten Wissensstand.“ Für sie hieß das freitagabends und samstagvormittags Unterricht mit den anderen elf Teilnehmenden. „Und dann kam Corona. Also viele Onlinekurse statt Präsenzveranstaltungen. Trotzdem war es echt toll“, schwärmt Doris Beiwinkel. „Ich habe so viel von den anderen Kursteilnehmer*innen gelernt und wir haben heute noch Kontakt, helfen uns bei Fragen gegenseitig weiter.“

Auf dem Weg zur Kindertagespflege und auch später während ihrer gesamten weiteren Tätigkeit begleiten die Mitarbeitenden der Fachberatungsstelle die Tagespflegepersonen. Dabei werden die gelernten Inhalte in Reflexionsgesprächen neu bewertet und Gedanken, beispielsweise zu frühkindlichen Bedürfnissen, zur Gestaltung der Zusammenarbeit mit den Eltern oder zum Umgang mit religiösen Traditionen, thematisiert. „Wir sind die ganze Zeit an der Seite der Bewerber*innen“, erklärt Sibylle Reimer. „Mit Informationen, Beratung und Unterstützung, wo sie gebraucht werden.“ Die Eignungsüberprüfung schließt nämlich auch zahlreiche Formalien, wie ein erweitertes Führungszeugnis, mit ein.

Ich kann immer anrufen, wenn ich Rat brauche

Die Interessierten müssen sich überlegen, welche Betreuungszeiten sie anbieten, wann sie starten wollen, ob sie zu Hause arbeiten oder Räume anmieten werden und wie dort gesetzliche Anforderungen zum Bildungsund Betreuungsauftrag sowie zur Kindersicherheit umgesetzt werden können. Doris Beiwinkel hat sich für die Betreuung zu Hause entschieden: „Die Kinder sollen sich wohlfühlen, wo geht das besser als in einem echten Zuhause?“ Seit März dürfen bei ihr zwei 14 und 16 Monate alte Kinder zusammen mit ihrer dreijährigen Tochter Paula durch das ganze Erdgeschoss samt Wohnzimmer-Pavillon und offener Küche wuseln.

Worauf sie bei der Betreuung Wert legt, weiß die zweifache Mutter ganz genau: „Bei mir gibt es Routinen, die den Kindern Sicherheit geben, und viel natürliches Spielzeug wie Stapelsteine oder Kastanien. Wir sind oft im Garten, und ich will mir noch ein Lastenrad anschaffen, mit dem wir regelmäßig zum Wildpark fahren können.“ Doris Beiwinkel ist dankbar für die persönlichen Gespräche und regelmäßigen Hausbesuche, die zur Unterstützungsleistung der Fachberatungsstelle gehören. „Ich kann immer anrufen, wenn ich Rat brauche“, erzählt sie. „Das gibt mir Sicherheit, denn Kinderbetreuung ist echt viel Verantwortung.“