Pressemitteilung

Diakonie arlamiert: Gewalt und Vernachlässigung deutlich angestiegen

Spielfiguren stehen auf einem Sandberg. Zu sehen sind ein Drache, ein Löwe und ein kleines Mädchen.

Corona und Lockdown zeigen erhebliche Folgen 

Häusliche Gewalt und Vernachlässigung von Kindern ist während der Corona-Pandemie und der Lockdowns deutlich angestiegen. Das legen die Erfahrungen der Diakonie Düsseldorf in den vergangenen Monaten nahe: Sowohl beim Krisenzentrum für Familien als auch bei der Fachberatung für Familien mit Gewalterfahrung sind die Zahl der Hilfesuchenden in die Höhe geschossen. „Im Januar 2021 beispielsweise hatten wir annährend doppelt so viele Anfragen wie ein Jahr zuvor“, berichtet Christina Lenders-Felske, Leiterin der Fachberatungsstelle. „Wir können nicht mehr allen zeitnah helfen. Wir arbeiten jetzt noch Fälle aus den vergangenen Monaten ab.“ 

Lenders-Felske hatte schon im vergangenen Frühjahr befürchtet, dass die Schließungen von Schulen, Kitas oder Spielplätzen gerade in belastete Familien zu höheren Stressfaktoren und im schlimmsten Fall für tätliche Übergriffe sorgten. „Und leider haben sich diese Befürchtungen unserem Eindruck nach bewahrheitet.“ 

Zwar haben viele Schulen und Kitas auch versucht, während der Lockdowns den Kontakt gerade zu den Familien zu halten, wo dies besonders nötig war. Trotzdem seien die Zahlen der gemeldeten Fälle von häuslicher Gewalt nach der Öffnung der Kitas und Schulen merkbar angestiegen – weil bei einer Präsenz der Kinder Anzeichen von Gewalt schneller und deutlicher sichtbar werden.  

Auch im Krisenzentrum der Diakonie, deren Mitarbeitende Hilfen zur Erziehung für Familien anbieten, sieht man die Auswirkungen der Corona-Krise. Hier haben vor allem die Anfragen des Jugendamtes nach „Familienaktivierungsmanagement“ zugenommen – einer besonders intensiven Hilfeform, bei der es konkret darum geht, dass verhindert werden soll, dass Kinder aus der Familie genommen werden müssen. Und auch hier kann man nicht alle Anfragen bedienen.

„Helfen würde natürlich etwas die Ausweitung der Kapazitäten bei den Bera-tungsstellen bei häuslicher Gewalt. Aber damit erreichen wir auch nur die, die sich von sich aus melden“, sagt Tanja Buck, Leiterin des Diakonie-Bereichs „Erziehung und Beratung“. „Leider zeigt unsere Erfahrung, dass sich Familien häufig selbst keine Hilfe holen und zu viele auch nicht die Möglichkeiten der Notbetreuung in Anspruch nehmen. Kinder und Jugendliche benötigen außerdem in der Regel eine vertraute Person, um sich aktiv Hilfe zu holen. Darum ist aus Kinderschutz-Sicht die Öffnung von Kitas und Schulen so wichtig – natürlich mit den entsprechenden Schutzmaßnahmen.“
 

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