Pressemitteilung

Wohnungsnot in Düsseldorf

Corona-Pandemie verschärft die Wohn-Situation

Wohnen wird immer teurer und selbst Normalverdienende haben Schwierigkeiten, geeigneten Wohnraum zu finden. Doch wie sieht die Situation vor Ort tatsächlich aus? Und wie wirkt sich dabei die Corona-Pandemie aus? Wir haben nachgefragt. Bei Clarissa Schruck, Leiterin der Fachberatungsstelle Horizont für wohnungslose Menschen, Barbara Dully, Leiterin des Ernst-Lange-Hauses in Hassels und Dr. Nada Ralic, verantwortlich für den Bereich Leben im Alter mobil bei der Diakonie Düsseldorf. 

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der wohnungslosen Menschen, die sich in der Fachberatungsstelle Horizont der Diakonie Hilfe suchen, kontinuierlich gestiegen. 2019 berieten die Mitarbeitenden 2165 Klient*innen, 2020 über 2400 Klient*innen. „Und im ersten Quartal 2021 waren es bereits 1657 Menschen, die bei uns um Unterstützung gebeten haben“, erklärt Clarissa Schruck.

In die Fachberatungsstelle kommen Menschen, die befürchten, ihre Wohnung zu verlieren, oder solche, die sie bereits verloren haben Nicht alle stehen damit direkt auf der Straße, einige finden auch bei Freund*innen, Bekannten oder Verwandten vorübergehend eine Unterkunft. „Oft aber leider unter sehr prekären Bedingungen“, sagt Schruck. Erst vor kurzem sei zum Beispiel ein 70-jähriger Rentner bei ihr in der Beratung gewesen, der bei Bekannten in einem kleinen Abstellraum ohne Fenster lebe.

In der Pandemie hat die Fachberatungsstelle weiteren Zulauf bekommen – auch weil sie weiterhin eine persönliche Beratung anbietet. „Waren früher immer genügend Termine frei, sind wir jetzt bereits um 8.30 Uhr praktisch ausgebucht“, berichtet Schruck. Die Stadt unternehme viel, um die Situation von wohnungslosen Menschen zu verbessern. Auch in der Pandemie habe die Verwaltung schnell reagiert, indem sie schnell zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten in Hotels zur Verfügung stellte. „Aber Menschen ohne Wohnung von der Straße zu holen, das ist eine Aufgabe, die wir nur gesamtgesellschaftlich lösen können.“

Auch älteren Menschen macht der angespannte Wohnungsmarkt zu schaffen. „Circa 1,3 Prozent der Kund*innen, die wir mit unserem ambulanten Pflegedienst versorgen, leben seit 40 bis 50 Jahren in derselben Wohnung“, erklärt Nada Ralic. Und diese Wohnungen seien häufig alles andere als seniorengerecht.  „Viele Wohnungen sind nur über Treppen erreichbar und das Badezimmer zum Beispiel viel zu klein, um sich dort mit Rollator oder Rollstuhl zu bewegen. „Körperpflege oder der Gang vor die Tür, und sei es auch nur, um Einkäufe zu erledigen, werden so immer schwieriger.“ Dies wiederum führe häufig zu Vereinsamung. In eine andere Wohnung zu ziehen, komme für ältere Menschen aber oft nicht in Frage. „Zum einen, weil es nicht leicht ist, etwas Geeignetes zu finden, zum anderen, weil sich viele ältere Menschen einfach sehr schwer damit tun, das gewohnte Umfeld und ihr Quartier zu verlassen“, erklärt Nada Ralic. „Darum ist auch der Aufbau altengerechter Quartiere wie in Gerresheim oder Urdenbach so wichtig.“

Die Quartiersarbeit noch weiter zu stärken – das wünscht sich auch Barbara Dully. In der Pandemie sei der Beratungsbedarf der rund 3600 Menschen, die in der Hochhaussiedlung leben, noch einmal deutlich gestiegen. Dabei sind auch immer wieder die beengten Wohnverhältnisse Thema.

In Hassels leben viele kinderreiche Familien, oft auf sehr beengtem Raum. „Wir betreuen zum Beispiel eine Mutter, die mit acht Kindern in einer Vier-Zimmer-Wohnung wohnt“, erklärt Barbara Dully. „Das ist eine ohnehin schon belastende Situation, die sich jetzt während der Pandemie noch einmal verschärft hat.“ Andere Mütter zum Kaffee einzuladen oder auch mal Freund*innen der Kinder, sei auf so engem Raum kaum möglich. Umso wichtiger sei es, dass es in den Quartieren Möglichkeiten gebe, „wo man sich treffen und wo Begegnung stattfinden kann.“

Hinzu komme, dass sich die finanzielle Situation vieler Familien in der Pandemie noch einmal verschlechtert habe. Viele Jobs für Ungelernte, etwa in der Gastronomie, seien weggefallen, oder die Familien müssten vom geringeren Kurzarbeitergeld leben. In letzter Konsequenz könne das sogar in die Wohnungslosigkeit führen.

„Wir sehen, dass sich die ohnehin angespannte Wohn-Situation in Düsseldorf durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch einmal verschärft hat“, sagt Diakoniepfarrer Michael Schmidt. „Umso wichtiger bleibt es für uns, die betroffenen Menschen weiterhin engmaschig zu begleiten und ihnen zu helfen, alle Möglichkeiten der Unterstützung auszuschöpfen. Sonst folgt aus der Gesundheits-Krise eine soziale Krise, die uns noch Jahre begleiten wird.“