Pflegeeltern gesucht

Sabrina Schmitz berichtet über ihre Erfahrungen 

„Alles perfekt“: Mit diesem Slogan sucht  die Diakonie Düsseldorf gerade Pflegeeltern. Auf Plakaten ist das ganz normale Familienchaos einer Familie zu sehen – fotografiert bei Familie Schmitz. Drei Kinder waren schon in der Familie, da entschloss sich Sabrina Schmitz mit ihrem Mann, ein Pflegekind aufzunehmen. Über ihre Erfahrungen als Pflegeeltern und wie der kleine Tom* sie bereichert, erzählt sie im Interview.         

Frau Schmitz, Sie sind nach drei eigenen Kindern noch einmal Pflegeeltern geworden. Warum haben Sie sich als Pflegefamilie beworben?

Ich hatte das schon sehr lange vor. Als 17-Jährige habe ich in einem Freiwilligen Sozialen Jahr ein Pflegekind einer anderen Familie in die Kita begleitet – ein Kind mit mehrfachen Behinderungen. Schon damals habe ich gedacht: Ich will später auch mal ein Pflegekind aufnehmen.

Sie haben sich dann entschieden, ein Kind mit einer Behinderung aufzunehmen. Hat sich dadurch Ihr Leben grundlegend verändert?

Ja und nein. Natürlich ändert sich was im Leben. Aber mit jedem Kind ändert sich was. Jedes Kind bringt etwas Besonderes mit. Bei Tom* waren es zum einen die Termine, die man vorher nicht hatte, mit dem Jugendamt zum Beispiel, und zum anderen die medizinischen Geräte wie der Überwachungsmonitor, der am Anfang nötig war – Tom war ein extremes Frühchen.

Diese Banalitäten, über die man sich früher Sorgen gemacht hat, die spielen nicht mehr so die Rolle.

Das klingt nach einem anstrengenden Alltag.

Ja, er ist anstrengend, aber es macht auch total Spaß. Es verändert einen selbst. Man kann vieles leichter nehmen. Diese Banalitäten, über die man sich früher Sorgen gemacht hat, die spielen nicht mehr so die Rolle. Welchen Schulranzen kaufen wir, zum Beispiel, das ist wichtig, aber nicht lebenswichtig. Dazu kommt, und das habe ich früher schon erlebt: Menschen mit Behinderung haben oft so etwas Offenes - sie nehmen Menschen so an, wie sie sind. Und das bereichert sehr.

Gab es Situationen, wo Sie dachten: Das schaffen wir nicht?

Ja, als wir notfallmäßig mit Tom in die Klinik mussten, da hatten wir zum ersten Mal Angst, dass was passieren könnte. Und da auch kurz den Zweifel, ob wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Aber da hat uns die Diakonie, über die wir Tom bekommen haben, dann mega geholfen. Unsere Betreuerin war sofort da, hat uns Lösungen aufgezeigt, das war sehr wichtig.

Der turbulente Alltag gehört einfach dazu

Auf den Plakaten der Diakonie sind Sie mit Ihrer Familie ja jetzt groß zu sehen, verbunden mit dem Slogan „Alles perfekt“. Die Diakonie will damit zeigen, dass sie sich Pflegeeltern mit einem ganz normalen, manchmal chaotischen Familienleben wünscht. Ist das Trubelige für Sie auch perfekt?

Ach, in stressigen Situationen geht einem das manchmal auch auf die Nerven. Aber das liegt ja nicht daran, dass wir ein Pflegekind haben, das geht auch Eltern mit einem einzigen gesunden Kind so. Der turbulente Alltag gehört einfach dazu. Und ich mag das auch.

Jedes Kind ist anders als andere Kinder

Gibt es etwas Besonderes, was Sie Ihrem Pflegekind im Laufe der Zeit fürs Leben mitgeben wollen?

Ja, Bindung und Sicherheit. Das ist für Tom besonders wichtig. Aber das ist natürlich auch etwas, das ich meinen leiblichen Kindern mitgeben will. Natürlich ist Tom anders als andere Kinder. Aber: Jedes Kind ist anders als andere Kinder. Bindung, Sicherheit und Liebe brauchen sie alle. Und dafür sind wir da.

Wie wird man Pflegeeltern? Welche Voraussetzungen für Pflegeeltern gibt es. Antworten darauf und auf viele weitere Fragen rund um das Pflegeeltern werden gibt es auf der Diakonie-Internetseite www.werdet-pflegeeltern.de

*Name geändert

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