Es ist ein milder Herbsttag in Garath, als Martina Both die 93-jährige Bewohnerin in ihrem Rollstuhl durch den Garten des Otto-Ohl-Hauses begleitet. Sie gehen vorbei an dem großen Hühnerstall und bewundern die kleinen Papageien, welche direkt nebenan in ihrem Gehege fröhlich vor sich hin zwitschern. Weiter vorne kommen sie an einem Kräutergarten vorbei. Auch wenn dieser schon etwas verwuchert ist, so erkennt man doch noch einzelne Lavendel- und Basilikumpflanzen. Schließlich gelangen die beiden an einen Teich. Kaum sind sie da, schwimmen die ersten Koi-Karpfen neugierig an die Oberfläche in der Hoffnung auf einen kleinen Snack. Zwischen Hühnern, Kräutern und Koi-Karpfen zeigt sich, was Martina Boths Engagement wirklich bedeutet: einfach da sein!
Sie ist eine der ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen im Otto-Ohl-Haus und unterstützt hier im „Besuchsdienst“. Das bedeutet konkret: Einmal in der Woche besucht die 68-jährige Rentnerin zwei Bewohnerinnen der Einrichtung und verbringt ein bis zwei Stunden Zeit mit ihnen. Ob Spaziergänge, Besuche im hauseigenen Garten oder einfach nur ein schönes Buch zusammen lesen - Die Palette an gemeinsamen Aktionen ist riesig. „Letztes Jahr waren wir zusammen sogar beim Ernte-Dank-Zug“, erinnert sich Martina Both mit Freude. Wichtig sei es, auf die individuellen Bedürfnisse der Bewohner*innen einzugehen und dabei im Blick zu behalten, dass «manches einfach nicht mehr möglich ist».
Gespräche sind kostbar
Den Gedanken sich ehrenamtlich zu engagieren, hatte Martina Both schon vor ihrem Ruhestand. Als es 2020 so weit war, stellte sich ihr die Frage: „Was mache ich jetzt?“. Fehlende Hobbies waren nicht das Problem: Zusammen mit Ihrem Ehemann sind die Vespa-Fans Mitglieder im Vespa-Club Düsseldorf. Außerdem gärtnert sie leidenschaftlich und verbringt gerne viel Zeit an der frischen Luft. Dennoch fehlte ihr etwas: „Es war einfach zu wenig“, wie sie später sagt. Da sie ganz in der Nähe zum Otto-Ohl-Haus lebt, war der Schritt zum dortigen Ehrenamt kein weiter. Dass Martina Both in einer Pflegeeinrichtung ehrenamtlich tätig wurde, hat sie dennoch überrascht. Denn der gelernten Krankenschwester war bekannt, dass Pflegeheime leider oft einen schlechten Ruf haben. Doch durch das Otto-Ohl-Haus konnte sich vom Gegenteil überzeugen.
Immer wieder überraschend
Ihr erster Besuch war an einem Tag der offenen Tür. Was ihr sofort auffiel: „Die Menschen waren alle so offen mir gegenüber. Ein Bewohner kam direkt auf mich zu und führte mich herum“. Diese herzliche Offenheit und Wärme spiegelt sich nicht nur in den Bewohner*innen oder Mitarbeiter*innen wider. Wie selbstverständlich verbringen dort auch Angehörige von Mitarbeitenden Zeit mit den Senioren wie zum Beispiel beim gemeinsamen Malen im Hausgarten. Für Martina Both war nach einem Gespräch mit Nikola Jansen (Leitung soz. Dienst) schnell klar, welche Bereiche für sie in Frage kämen. So entschied sie sich, den Schritt zum Besuchsdienst zu gehen. Was sie Menschen rät, die sich gerne ehrenamtlich engagieren würden, aber nicht wissen, was zu ihnen passt? „Einfach ausprobieren!“ sagt sie lachend. „Wenn es einem nicht gefällt, dann probiert man halt was anderes“. Es kann jedoch helfen, in Bereichen zu suchen, in denen man bestimmte Stärken oder Interessen hat. Außerdem betont Martina Both, dass es beim Ehrenamt wichtig sei, Grenzen zu setzen und seine eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen zu verlieren, denn der Spaß an der Sache, darf nicht fehlen. „Die Dankbarkeit berührt mich jedes Mal zutiefst. Und es bereitet mir einfach Freude zu sehen, wenn die Bewohner*innen glücklich sind“.
Wer Lust hat, wie Martina Both Zeit zu schenken und Freude zu teilen, erhält weitere Informationen in der Freiwilligenzentrale.
Text: Fabien Dallmann
Foto: Ralf Eppink