2 Seniors go South

Mit dem Fahrrad nach Gibraltar

Radler sammeln Spenden für ältere Menschen 

Im Ruhestand einfach einmal ausspannen? Davon halten Günter Schilbock und Michael Eckert wenig. Die beiden Ü-60er haben große Pläne: Unter dem Motto „2 Seniors go South“ starten sie am Ostersamstag auf zwei E-Bikes Richtung Gibraltar. 3.600 Kilometer und 50 000 Höhenmeter werden sie auf ihrer dreimonatigen Tour, die sie über Paris, Bordeaux, Bilbao, Gijón, Santiago di Compostela, Porto und Lissabon nach Gibraltar und zurück führt, zurücklegen. „Wir freuen uns darauf, neue Orte und Menschen kennenzulernen, das Wetter in all seinen Facetten zu erleben, auf heftige Steigungen und rasante Abfahrten“, erläutert Günter Schilbock seine Motivation. „Mit über 60 Jahren ohne Einschränkungen in die Pedale zu treten und so tausende Kilometer zurücklegen – das ist großartig“, fügt Michael Eckert an.

Viele ältere Menschen, denen es schlecht geht, schämen sich für ihre Situation.

Aber das ist noch nicht alles. Auf ihrer Fahrt wollen die beiden Abenteurer bei jedem Stopp die Diakonie unterstützen und Geld für Betroffene von Altersarmut sammeln. Eckert und Schilbock sind ehrenamtlich aktiv und treffen dabei immer wieder auf ältere Menschen, denen die Mittel fehlen, einmal ins Theater zu gehen, sich im Café zu treffen oder eine neue Brille zu kaufen.

Jetzt für ältere Menschen spenden

„Viele ältere Menschen, denen es finanziell schlecht geht, schämen sich für ihre Situation. Sie ziehen sich zurück und versinken noch mehr in Einsamkeit“, ist Schilbocks Beobachtung. Im „zentrum plus“ Benrath der Diakonie, wo er sich ehrenamtlich engagiert, gibt es einen Mittagstisch, den das Radfahr-Team mit den gesammelten Spenden unter anderem unterstützen wird. „Wer sich dort das warme Mittagessen nicht leisten kann, muss es nicht bezahlen – ohne dass die anderen davon erfahren“, erzählt Schilbock.

2 Seniors go south logo

Eine Fahrt gegen Vorurteile 

Margit Risthaus, Koordinatorin der „zentren plus“ der Diakonie in Düsseldorf freut sich aus noch ganz anderem Grund über die Tour der beiden Männer. „Günter Schilbock und Michael Eckert zeigen, wie vielfältig Menschen altern können“, sagt sie. Mit ihrer Tour machen die Beiden anderen Menschen Mut, im Alter auch einmal Neues zu wagen. „Außerdem fahren sie jeden Tag auch gegen Vorurteile an.“ Erst vor kurzem habe eine Studie gezeigt, dass viele jüngere Menschen negativ über die ältere Generation denken, sie vor allem als Belastung wahrnehmen. „Die Radler zeigen, dass dies falsch ist und setzen mit ihrer Tour ein aktives Zeichen gegen Ageismus“, zeigt sich Risthaus begeistert. 

Bei einer kleinen Trainingstour zum Auftakt fuhren sich Schilbock und Eckert jetzt mit Freund*innen aus dem „zentrum plus“ in Benrath schon einmal warm. Viel Erfolg für die große Tour wünschte den beiden dort auch Diakonie-Vorstand Michael Schmidt: „Das ist eine tolle Aktion, die wir gerne begleiten. Alle Gute und Gottes Segen für diese spannende Reise!“  

Berichte von der Reise

Auf dieser Seite finden Sie in den kommenden Wochen weitere Berichte von der Reise von Günter Schilbock und Michael Eckert. 

 

Hier berichtet Günter Schilbock von der Reise 

Die Vorbereitungen sind abgeschlossen

06.04.2023 

Die Räder sind inspiziert und gewartet. Die Taschen stehen zum Packen bereit und die Spannung wächst. 
Ein Tag noch und wir sind auf der Tour Richtung Süden. Es geht über Aachen, Paris, Bordeaux und dann an der Nordküste Spaniens entlang Richtung Santiago de Compostela. Die Unterkünfte auf der Strecke bis zur spanischen Grenze sind bereits reserviert. Die Muskeln sind durchtraniert und die Kondition wurde am vorletzten Wochenende einer abschließende Prüfung unterzogen.

Zugegebenermaßen liegt die letzte medizinische Überprüfung ein Jahr zurück,  der Allgemeinzustand fühlt sich jedoch sehr gut an.Nun wollen wir hoffen, dass das Wetter mitspielt. Den Segen für eine abenteuerreiche und unfallfreie Fahrt haben wir am letzten Dienstag bereits erhalten.

Der erste Tourbericht folgt in circa einer Woche.
 

Es gewittert auf dem Weg nach Paris  

14.04.2023 

Der Start unserer Tour nach Gibraltar verlief etwas anders als gedacht. Astrid Linn vom WDR wollte uns am Morgen der Abreise beim Packen unserer Fahrradtaschen "auf die Finger sehen", nach der Motivation zur Tour, deren Verlauf und nach unserem Engagement für die Diakonie befragen. (Hier geht es zum Bericht.) Wie vorgesehen, konnten wir uns um 10 Uhr von unseren Frauen verabschieden und starten. Für den ersten Tourabschnitt bis nach Paris waren sechs Fahrtage und 582 Kilometer geplant.

Bei sonnigem Wetter ging es von Düsseldorf 90 Kilometer nach Aachen, der ersten Station auf unserer Strecke nach Paris. Bevor wir von der Familie und Nachbar*innen unserer Nichte/Tochter mit Konfettiregen und einem kalten Bier empfangen wurden, schauten wir im Aachener Dom vorbei, um unsere Pilgerpässe mit einem Stempel versehen zu lassen.

Nach einem schönen Abend in Aachen machten wir uns wieder auf den Weg. Bei durchwachsenen Wetter, wie es für den frühen April zu erwarten ist, fuhren wir über Landstraßen, alten Bahntrassen, an Flüssen und Kanälen entlang, unsrem ersten großen Zwischenziel entgegen. Heftige Gewitter mit Starkregen und Hagelschlag zwangen uns mehrmals eiligst unter die nächste Brücke.

Der Plan für den sechsten Tag sah vor, dass wir von Noyon mit dem Rad bis circa 40 Kilometer vor Paris fahren und von dort mit dem Zug in die Großstadt zu gelangen. Als wir den Bahnhof nach 85 Kilometer erreicht hatten, mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass der vorgesehene Regionalzug keine Räder transportierte. Es war inzwischen 18 Uhr, wir suchten also ein Restaurant, in dem wir während des Essens auch die Fahrradbatterien aufladen konnten. Eine Stunde später saßen wir wieder auf den Rädern. Wir durchfuhren die Vororte von Paris, überquerten die Seine und mussten abermals Schutz vor einem Gewitter mit Hagelschlag suchen. Schließlich trafen wir nach 126 Kilometern um 22.15 Uhr in der gebuchten Unterkunft, unmittelbar am Stadtkern, ein. Wir waren sehr froh, angekommen zu sein. 

Altersarmut ist auch in Frankreich ein Thema 

21.04.2023 

Für Paris hatten wir uns einen Tag Zeit genommen. Von unserer Unterkunft im Stadtteil Malakoff konnten wir den Eiffelturm, die Kathedrale Notre Dame und anderes mehr gut mit dem Fahrrad erreichen. Schade nur, dass es den ganzen Tag unaufhörlich regnete und sehr kalt war. Aufzuzählen, was diese Stadt zu den anziehensten Städten der Welt macht, ist sicher überflüssig. Erwähnenswert wäre, dass insbesondere die Fußgänger und Fahrradfahrer das Rotlicht ignorieren und bei grün Vorsicht walten lassen. 

Am Samstagmorgen begaben wir uns zum Bahnhof von Montparnasse, um von dort mit dem TGV nach Bordeaux zu fahren. Üblicherweise steigt man in den Zug, begibt sich zum gebuchten Platz und es geht los. Nicht aber mit einem 27 Kilogramm schweren Rad und ca. 20 bis 25 Kilogramm Gepäck, welches vor dem Einstieg komplett vom Rad zu nehmen ist. Das Rad ist in den Waggon zu hieven und dann durch die Platzsuchenden zum vorgesehenen Stellplatz zu manövrieren. Währenddessen wartet Schwager Micha mit unserem Gepäck vor dem Zug, um es nicht unbeaufsichtigt zu lassen.

Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 295 km/h und wenigen Stopps haben wir 600 Kilomter aus der Fahrradtour Richtung Süden herausgenommen. Bei Sonnenschein verließen wir den Zug und fuhren entlang der wunderschönen Garonne-Ufer-Promenade durch die Stadt zu unserer zentral gelegenen Unterkunft. Die sehr freundliche Vermieterin Chantal empfahl uns bei einem sehr guten Glas Bordeaux, welche Sehenswürdigkeiten der Stadt wir mit dem Rad ansteuern sollten. So wurden wir ausgezeichnet auf den Besuch der tollen Altstadt und den unzähligen, prächtigen Gebäuden aus Kalksandstein entlang der Promenade vorbereitet.

Am 16.04. verließen wir Bordeaux bei herrlichem Sonnenschein Richtung Süden, wieder über die Uferpromenade. Vermutlich lag es auch an dem frühlingshaften Wetter, dass bereits so viele Menschen den Weg nach draußen gefunden hatten. Der Ausdruck purer Lebensfreude lässt sich an den Gesichtern der flanierenden Menschen ablesen. Kaum 10 Kilomter gefahren, vernahm ich ein Geräusch an meinem Rad, das ich nicht kannte. Nach Überprüfen der Bremsbeläge und der Nabe konnten wir einen Lagerschaden am Vorderrad identifizieren. Dieses Problehm würde uns wohl auch in den nächsten Tagen begleiten, so vermutete ich.

Am 9. Tourtag fuhren wir weiter Richtung spanischer Grenze und hielten in den Ortschaften auf der Strecke Ausschau nach geeigneten Fahrradgeschäften. Das Thema Altersarmut und -einsamkeit ist, wie bei uns in Deutschland, auch hier in den südlichen Ländern Europas präsent. In Frankreich hatten wir Gelegenheit, mit einem Gastgeberpaar (Holländer) über das Thema zu sprechen. Ältere Nachbarn, so erzählten die Beiden, lassen sich nur ein bis zwei Mal im Jahr, meist zu Weihnachten oder Ostern in ihrem Restaurant blicken. Sie leben sehr zurückgezogen, da es Einrichtungen und Angebote, wie die der Diakonie, in dieser Gegend nicht gibt. Eine gute Idee, die noch fitten Menschen mit den Unterstützungsbedürftigen zusammen zu führen, meinen die Gastgeber!

Am 18.04. ließen wir uns mit einem Transporter morgens in die Stadt Tyrosse bringen. Man empfahl uns dort einen Fahrradservice. Der Servicemitarbeiter bemühte sich zwar. Leider brachte der abschließende Test kein zufriedenstellendes Ergebnis. Uns wurde ein weiterer Service empfohlen, der ggf. ein Ersatzrad vorrätig haben sollte. Wir fuhren weitere 10 Kilometer mit den Rad und trafen hier auf den sehr versierten Mechaniker Tom, der empfahl, die Lager zu erneuern. Seither läuft das Rad wieder "wie geschmiert". 

Wir hatten vor, am 19. April die Grenze nach Spanien zu überqueren. Trotz des Wetters und dem Problem mit dem Rad ist es uns gelungen, den Plan, den wir im Oktober 2022 ausgearbeitet hatten, einzuhalten. Die Woche hatte außerdem einiges mehr zu bieten. Um die Spannung jedoch zu erhalten, vertagen wir uns in die nächste Woche.

Die Königsetappe: Von Zumaia nach Mureta 

28.04.2023 


Als Herausforderung der Woche stand heute, am Freitag, die Königsetappe mit geplanten 75 Kilometern und 1600 Höhenmetern von Zumaia nach Murueta auf dem Programm. Nach circa 20 Kilometern war die Durchfahrt wegen einer Straßenerneuerung blockiert. Die Umleitung führte uns durch Ortschaften und Straßen mit Steigungen von über 20 Prozent. Wir hatten trotz Unterstützung erhebliche Probleme, die Räder in Spur zu halten und zu vermeiden, dass die Vorderräder wegen des schweren Gepäcks abheben. Angekommen, und nach dem obligatorischen Duschen, hatten wir uns ein zünftiges Abendessen in einem nahegelegenen Restaurant verdient.

Wir kamen nun immer häufiger an den Atlantik und das Wetter war nicht gerade beständig. Jedoch war der Blick auf die ausgedehnten Buchten mit dem unterschiedlich blau leuchtenden Wasser und den an den Felsen sich brechenden Wellen immer wieder ein Hingucker. Die Gegend erinnerte ein wenig an Szenen aus den bekannten englischen und amerikanischen Spielfilmen.

Was uns ebenfalls auffällt ist, wie sehr die Straßen alternativen Verkehrsmitteln, insbesondere der von Fahrrädern, angepasst wurden. In Frankreich und in Spanien werden und wurden zunehmend Einbahnstraßen eingerichtet, um die freiwerdende Fahrspur den Fahrradfahrenden zur Verfügung zu stellen.

Die separaten Fahrradwege führen oft durch die ganze Stadt und gewähren den Fahrradfahrenden eine sichere Fahrt.
Unsere tägliche Streckenlänge orientiert sich vorwiegend am Streckenprofil. Geht die Anzahl der zu erstrampelnden Höhenmeter (hm) über 1000, so darf die Streckenlänge nicht viel länger als 70 bis 80 Kilometer sein.
Ansonsten müsste der Akku auf dem Weg nachgeladen werden. Unsere Pausen teilen sich dagegen in ca. 20 Kilometer Abschnitte. Oft nehmen wir gegen 11 Uhr einen Kaffee, oder essen das am Vortag im Markt besorgte Obst. Mittags halten wir Ausschau nach einem Restaurant, um uns für die kommenden Kilometer zu stärken.

Wir bewegen uns nun schon seit der spanischen Grenze abschnittsweise auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela und begegnen immer wieder Pilgern, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind. Manche grüßen bei der Vorbeifahrt sehr freundlich. Andere sind dermaßen mit sich und dem Weg beschäftigt, dass sie uns schlicht nicht wahrnehmen. 

Schon zum Ende des letzten Jahres reifte der Plan, dass unsere Ehefrauen und Schwestern sich von Porto ebenfalls auf den Pilgerweg nordwärts nach Santiago de Compostela  machen wollten. 

Selbstverständlich war geplant, dass wir uns in Santiago treffen werden. Wegen der vielen, unvorhersehbaren Ereignisse, sowohl bei der Wanderung als auch auf der Tour mit dem Fahrrad, kann es zu Verzögerungen kommen, die ein solches Treffen nicht zustande kommen ließe. 

Inzwischen sind wir recht zuversichtlich, dass alles wie geplant klappen wird. Unsere Unterkünfte, die wir bisher hier in Nordspanien gebucht haben, waren allesamt sehr schön, sauber und preislich akzeptabel. Die Übernachtung im Hotel Rural Foneubierta in der Nähe von Gijon kostet beispielsweise 65 Euro, einschließlich Frühstück. Gijon ist eine große Hafenstadt mit einem gigantischen Bauwerk "Universidad Laboral de Gijon". Die Ausdehnung der heute vorwiegend als Universität genutzten Anlage hat eine Fläche von 270.000 Quadratmetern. 

Unsere Tagesstrecke am Mittwoch führte uns einige Kilometer von der Küste entfernt durch ein wechselndes Höhenprofil. Die Folgen der letztjährigen Waldbrände waren nicht zu übersehen. Große Flächen an den Berghängen ließen erahnen, wie das hier gewütet haben muss. 

Am 27.April waren wir schon gegen 9.30 Uhr auf Achse. Die Planung zeigte für den heutigen Tag eine Strecke von 85 Kilometern und 1680 Höhenmetern. Wenn das nicht ein wenig zu ambitioniert war? Aber um 14 Uhr hatten wir bereits 900 Höhemeter erreicht. Jedoch zeigte die Akku-Kapazität nur noch 50 Prozent und dies war für uns der Hinweis, nachzuladen. In einen kleinen Berg-Kaffee nahmen wir ein Kaltgetränk und einen Kaffee-Solo, schöpften neue Kraft und luden die Akkus nach. Um kurz nach 17 Uhr hatten wir unsere Unterkunft erreicht. Eine derartige Strecke, mit vollen Gepäck, sind wir bisher noch nicht gefahren. Ein Grund sich mit einem leckeren, kalten Bier zu belohnen.

Mal schauen, was die kommende Woche bringt?
 

 

Wieder vereint

30.04.2023 


Heute ist der 29. April 2023. Inzwischen haben wir 1663 Kilometer mit dem Rad zurückgelegt und befinden uns in einem Ort namens Sobrado, circa 60 Kilometer vor Santiago de Compostela. Nun hat man mehr und mehr den Eindruck, die Pilger kommen aus allen Himmelsrichtungen. Gestern trafen wir einen Herrn, circa 70 Jahre alt, mit schwerem Rucksack, eine Jacke um die Hüfte gebunden. Er erschien uns zunächst etwas wackelig auf den Beinen. Beim näheren hinschauen war er jedoch relativ robust unterwegs. Wir hatten offensichtlich das selbe Tagesziel. Bis dorthin waren es noch fünf Kilometer. Für uns 15 Minuten,  für den Pilger circa eine Stunde. Er erzählte uns, dass er seiner Frau vorgeschlagen hatte, sich mit ihm auf den Weg nach Santiago de Compostela zu machen. Mit dem Auto, hätte sie zugestimmt. So war er also allein unterwegs. Da standen nun wir Ehrenamtler und waren uns einig, gutes für das soziale Miteinander dieser Gesellschaft zu tun und es uns trotzdem auch gut gehen lassen zu können. Der gebürtige Berliner lebt in Frankreich und unterstützt dort in einem Restaurant für Menschen, denen es an Mitteln fürs tägliche Essen fehlt.

Heute, am 30. April 2023 sollten wir nach drei Wochen unsere Frauen wiedersehen. Auf dem Platz vor der sehr imposanten Kathedrale von Santiago de Compostela, war ein ausgelassenes Treiben festzustellen. Es wurden Ankunftsbilder von Pilgergruppen mit Übergabe der Pilgerurkunde "Compostela", von einem Chor, der einen musikalischen Beitrag darbot, auch von uns und weiteren Radfahrrergruppen gemacht. Die Stimmung war ausgelassen bis besinnlich. Man sah den Menschen an, dass sie stolz, bewegt und auch überwältigt waren, sich auf den Weg gemacht und ihr Ziel erreicht zu haben.


Der Banner der Diakonie, den wir zwischen unseren Rädern aufgespannt hatten, fand durchaus Bachtung und wurde sehr oft mit und ohne uns fotografiert. Wir kamen mit vielen Leuten, die sich für unsere Tour interessierten, ins Gespräch. Auf einmal standen unsere beiden Frauen vor uns. Die Freude war groß, die Beiden gesund und voller Erwartung ihrer Erzählungen in die Arme schließen zu können.

Nach zwei gemeinsamen, tollen Tagen mit unseren Frauen sind wir inzwischen wieder Richtung Gibraltar unterwegs. Der Weg führt uns zunächst Richtung portugiesische Grenze und dann nach Porto. Wir fahren entlang der Küste, auf der Strecke, die auch unsere beiden Damen gepilgert sind und es kommen uns sehr viele Menschen vieler Nationalitäten entgegen. Die Anzahl und Qualität der Fahrradwege hat sich inzwischen drastig verändert. Sehr oft führt uns die Navigations-App über Wege, die eigentlich den Pilgern vorbehalten sein sollten. Die Wege sind wegen der Steigung, dem Gefälle und der rauen Oberflächen nicht gerade fahrradtauglich. Andererseits ist das Fahren und auch das Laufen auf den teilweise stark befahrenen Landstraßen nicht ungefährlich. 

Nicht alle Verkehrsteilner verhalten sich rücksichtsvoll. Heute ist der 3. Mai. Wir haben wieder mal in einem sehr schönen Hotel in Pontevedra für kleines Geld übernachtet. Da wir nachmittags auf einer Parkbank, direkt am Strand etwas Brot mit Käse, Wurst und Obst gegessen hatten, genossen wir am Abend in einem Restaurant an der Promenade beim Sonnenuntergang lediglich noch einen frischen Salat zum Weißwein. Wieder in unsere Hotel angekommen, widmen wir uns den Eintragungen der Tourdaten, der Unterkunftsplanung für die nächsten Tage, der Touranpassung wegen des neuen Zielpunktes bei der Unterkunft und den Tourberichten.

Heute, wie an jedem anderen  Morgen, heißt es zunächst einmal den geladen Akku wieder in Radrahmen einzusetzen, die Fahrradtaschen am Gepäckträger zu arretieren und festzuzurren. Abschließend wird die Lenkradtasche, das Ladegerät und die Getränkeflasche am Fahrrad angebracht. Nun sind die Navigations- und Fahrrad-App einzustellen und das Smartphone ist in der entsprechenden Halterung zu sichern. Das Rad bringt jetzt circa 50 Kilogramm auf die Waage.

Gestern haben wir die portugisiche Grenze erreicht. Mal schauen, was es in Portugal alles zu entdecken gibt.
 

Unfassbare Landschaftsbilder und rätselhafte Fahrradwege vor Porto

05.05.2023 


Wir haben inzwischen die portugiesische Grenze passiert und bewegen unsere Räder mit erheblicher Muskelkraftunterstützung Richtung Porto. Die Fahrt geht durch die bergische Küstenlandschaft mit tiefgrüner Vegetation. Bevor die vom Atlantik ins Land ziehenden Wolken die Berge überqueren, entlasten sie sich, indem anständig Wasser auf die Küstenlandschaft verteilt wird. An diesem Morgen suchten wir im Eingang eines Mini-Supermarktes einer Ortschaft am Berg für circa  30 Minuten Schutz vor dem heftigen Regen. Anschließend zeigte sich wieder die Sonne, doch der starke Gegenwind, der uns unaufhörlich mit 25 bis 30 Stundenkilometern entgegenblies, war ein wenig nervig. 

Am Nachmittag kurz vor Porto waren wir im wahrste Sinne des Wortes auf den Holzbohlenwegen durch die Strandlandschaft unterwegs. Ohne jedwede Vorankündigung standen wir vor einer Treppengalerie, die den Gelände-Höhenunterschied von circa 15 Metern an dieser Stelle ausgleichen sollte. Unsere Navigations-App hat uns mit den Fahrrädern genau an die Stelle geführt, die uns folgende Möglichkeiten bot: 1. die Räder über die Treppe oder den felsigen Weg nach oben zu tragen, oder 2. gute zehn Kilometer zurückzufahren, um eine andere Straße zu nutzen. In Anbetracht des immer noch heftig  blasenden Windes, entschieden wir uns für 1., waren nach der Aktion allerdings danach etwas angeschwitzt.

Porto ist eine tolle Stadt. Wir hatten Glück, zum Wochenende hier anzukommen, um die Atmosphäre der Stadt hautnah zu erleben. Überall flanierten ausgelassene Menschen durch die Stadt. Da die Ausläufer der Berge in dieser Region bis zur Küste reichen, haben diese auch einen erheblichen Einfluss auf das Straßenprofil der Küstenstädte, wie auch Porto. Es geht steil rauf und runter. Überall in der Stadt sind Straßenmusiker unterwegs, die in einen ganz bestimmten Rhythmus ihre Stellplätze wechseln und mit ihrer Musik für eine tolle Stimmung sorgen. Die Sonne scheint vom blauen Himmel, die Brandung schlägt gegen die Felsen.Viele Frauen und Männer kommen in ihrem Surfer-Outfit, das Brett unter den Arm geklemmt, über den Strand gelaufen, um sich in die Wellen zu stürzen. Die Bedingungen zum Surfen sind hier ausgezeichnet.

Am 7. Mai verlassen wir Porto in Richtung Lissabon. Die weitere Strecke führt uns oft durch Küstengelände, welches größtenteils von Bäumen gerodet ist. Wir vermuten, dass die Vegetation der Trockenheit und den Waldbränden der letzten Jahre zum Opfer gefallen ist. An diesem Tage, den 8. Mai, fuhren wir circa 40 bis 50 Kilometer auf einer nicht enden wollenden Straße. Nur eine handvoll Autos begegnete uns in dieser Zeit. Von weitem sahen wir zwei Radfahrende mitten auf der Straße neben ihren Rädern stehen. Und, je näher wir kamen, wurde uns klar, warum sie dort standen. Zwischen einer Brücke über einen Bach und uns fehlten wohl drei bis vier Meter der  Fahrbahn. Offensichtlich wurde die Straße unterspült und brach ein, weil der Bach mehr Wasser transportierte als vorgesehen.Wir suchten einen Weg, wie wir an der Brücke vorbei, durch den Bach und auf der anderen Seite wieder nach oben gelangen konnten. Das Ehepaar aus Nagold und wir unterstützten uns gegenseitig und so konnten wir nach circa 45 Minuten weiter fahren.

Heute ist der 11. Mai 2023 und wir haben seit zwei Tagen erheblichen Rückenwind, der uns mit 30 bis 35 Stundenkilometern nach Lissabon bläst. Der Himmel ist blau und die Temperatur liegt bei circa 22 Grad. Ideale Bedingungen zum Fahrradfahren. Wir freuen uns jetzt auf Lissabon.

In der Hauptstadt

23.05.2023 

 

Am 11.05.2023 sind wir gegen 17 Uhr in Lissabon angekommen. Wie auch in den großen Städten zuvor, so hat auch Lissabon eine Menge zu bieten. So haben wir uns zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten auch hier einen Tag reserviert. Die erste größere Überraschung hielten jedoch die Betreiber unserer Unterkunft für uns bereit. Die sichere Abstellmöglichkeit für unsere Räder befand sich in der Wäschekammer im ersten Stock des Gebäudes. Die Kammer war nur über eine steile Hausflur-Holztreppe zu erreichen. Also wurde die Schiebehilfe aktviert und es ging über 19 Stufen durch das ca. 80 cm breite Treppenhaus in den ersten Stock. Schon gut, dass die Unterkunft so zentral gelegen war und wir die zum Besuch vorgesehenen Sehenswürdigkeiten fussläufig erreichen konnten. Es ist immer wieder überraschend, wie so viele Besucher ohne größere Komplikationen durch die begehrten Objekte der Städte geschleust werden können.

Während der Stadtbesichtigung haben wir in einem der gemütlichen Straßen-Restaurants zu Mittag gegessen. Am Abend vor unserer Abreise besorgten wir uns in einem Markt Baguette, Käse, Wurst, Paprika und eine Flasche Wein. Anschließend suchten einen sehr schönen Ort oberhalb der Stadt auf. Hier improvisierten wir ein gemütliches Abend-Picknick über den Dächern von Lissabon.

Nachdem wir am 13.05.2023 die Fahrräder wieder durchs Treppenhaus auf die Straße befördert und bepackt hatten, ging es weiter Richtung Süden.  Das nächste Zwischenziel war der süd-westlichste Punkt Europas, "Cabo de Sao Vicente". Auf dem Weg dorthin war darauf zu achten, dass wir nicht von unseren Rädern geblasen wurden. Dort angekommen, war von dem starken Wind kaum noch etwas zu spüren. Wir spannten den Diakonie-Banner mitten im Innenhof vor dem Leuchtturm auf. Und, entgegen aller Erwartungen, kam niemand, der uns darauf hinwies, dass solche Aktionen nicht gestattet seien. Stattdessen fragten uns viele Leute, auch deutsche Touristen, was genau wir machen, ob wir tatsächlich den ganzen Weg mit dem Fahrrad zurückgelegt hätten, wohin es nun weiter gehe und was wir uns durch diese Aktion erhofften. Kaum hatten wir diesen sehr berührenden und für uns magischen Punkt verlassen, war auch der Wind wieder da. Allerdings hatten wir ihn jetzt im Rücken.

Dass die Algarve viele Touristen anzieht, war kaum zu übersehen und zum Teil auch nicht zu überhören. Wir lagen in Portimao schlafbereit im Bett und hatten das Gefühl, in der Düsseldorfer Altstadt zu sein. Trotzdem haben wir aber gut geschlafen. Was auch auffällt: Es wird gebaut, als ob die  Bauunternehmen hier die besten Preise in Europa erzielen könnten. Eine Appartementsiedlung nach der anderen entsteht. Zudem trifft man viele Deutsche im Rentenalter.

Wir fahren inzwischen sehr oft die nationalen Hauptstraßen. Diese haben zwar keine Radwege, wir erleben jedoch weniger Überraschungen hinsichtlich der Befahrbarkeit und der Qualität der Strecken. Was auch, wie in den anderen Ländern schon sehr auffallend war, die Straßenränder sind gesäumt von Abfall. Insbesondere Plastikmüll, Flaschen, Tüten aber auch Getränkedosen liegen zuhauf in den Straßengräben. Dagegen sind die Städte und deren Straßen, Plätze, etc. in Portugal aber auch in Spanien sehr sauber und gepflegt.

Gut geplant ist halb geradelt

29.05.2023 

Huelva, wieder eine tolle Stadt in Andalusien mit 140.000 Einwohnern. Die Abspannung nach oben in der Fussgängerzone der Altstadt lässt die Straßen fast wie in einer Mall wirken und schützt zudem vor der Sonne. Toll, dort durch diese Stadt zu schlendern. Unsere Tour am 20. Mai sollte uns von Huelva nach Sanlucar de Barrameda bringen. Am Abend zuvor haben wir uns, wie immer, die Tour nochmals genau angesehen. Hier war ein Bereich als Single Trail ausgewiesen. Der Trail führte über 30 Kilometer unmittelbar am Atlantik, dicht am Wasser entlang. Er endete vor einem Fluss. Dies schien auch der einzige Weg bis zu einer Fähre zu sein, die uns über den Fluss bringen sollte. Wir kontaktierten unsere vorgesehene Unterkunft und erfuhren, dass die Fähre auf Winken oder Rufen zwischen 8 und 20 Uhr reagieren würde.

Wir machten uns also am nächsten Morgen auf den Weg um gegen Mittag nach 55 Kilometern festzustellen, dass der ausgewiesene Trail mit unseren Rädern aufgrund des sandigen Untergrundes definitiv nicht befahrbar war. Eine Alternativstrecke hatten wir vorab nicht in Erwägung gezogen, da eine solche Strecke circa 130 Kilometern lang war. Die Überlegung, uns von einem Taxi abholen und zur geplanten Unterkunft bringen zu lassen, haben wir auch wegen der uns genannten Kosten verworfen.

Wir radelten somit weitere 67 Kilometer in Richtung Sevilla, da dort die einzige Brücke über den Fluss war. Wir stornierten unsere Unterkunft und suchten uns eine neue. Um die Unterkunft tags drauf, am 21 Mai, zu erreichen, hatten wir weitere 135 Kilometer zu bewältigen. Am Vormittag schien noch alles nach Plan zu laufen. Nach 75 Kilometer zog jedoch ein Gewitter auf. Mit einer größeren Pause, die jetzt erforderlich wurde, konnten wir unser heutiges Ziel erneut nicht erreichen, dachten wir. Also, musste auch diesmal wieder eine Alternative her. Wir suchten eine Zugverbindung und hatten Glück. Der um 14.30 Uhr abgehenden Zug war zwar schon ausgebucht, jedoch ging um 17.30 Uhr ein weiterer Zug, in dem wir und auch die Räder Platz fanden, so dass wir unsere heutige Unterkunft zum Abend erreichen konnten.

 Am 23. Mai starteten wir bei herrlichem Sonnenschein die letzte Tagestour nach Gibraltar. Wieder und wieder tolle Ferienorte mit vielen Apartment-Wohnanlagen, dann wieder große Grundstücke mit beeindruckenden Villen und Sportanlagen für Golf, Polo und Tennis. In Tarifa, dem südlichsten Punkt von Europa haben wir bei Sonnenschein unseren obligatorischen Kaffee gegen 12 Uhr getrunken. 

Je mehr wir uns jedoch Gibraltar näherten, um so dunkler wurde der Himmel. Wir suchten eine Unterstellmöglichket und zogen die Regensachen über. Es waren kaum Menschen auf der Straße, als wir um 16 Gibraltar erreichten. Ich hatte mein Handy zur Navigation am Lenker gelassen und es bekam eine gehörige Menge an Regen ab. Abends musste ich zur Kenntnis nehmen, dass ich keine Nachrichten empfangen oder versenden, dass ich keine Bilder oder Videos machen und dass ich auch keine Tourberichte mehr verfassen und versenden konnte. Wir versuchten dem Handy mit trockenem Reis über viele Stunden die Feuchtigkeit zu entziehen. Zu allem Überfluss hatte ich mir noch einen Magen-Darm-Infekt zugezogen. 

Am Ruhetag, den Micha nutzte, um Gibraltar zu erkunden und den Affenfelsen zu besuchen, hütete ich das Bett und versuchte, den Infekt auszukurieren. Am 25. Mai ging es mir besser, dass Handy war allerdings nicht mehr in Betrieb zu setzen. Unser heutiger Tourabschnitt führte uns nach Marbella. Die Fahrt ging vorwiegend über die Hauptstraßen, die zum Radfahren aus unserer Sicht kaum akzeptabel sind. Die Autos fahren teilweise mit über 100 Stundenkilometern an uns vorbei und halten auch den vorgeschrieben Abstand von 1,5 Metern nicht immer ein. Wir haben in Marbella versucht, dass Handy wieder aktivieren zu lassen bzw. ein neues zu erwerben. Wenn wir nicht erfolgreich gewesen wären, könnte der heutige Bericht nicht erscheinen. Ich musste mir also ein neues Handy kaufen.

Zufälle gibt's! Wir hatten uns am Morgen die Worte zur Erläuterung der Problematik in englisch zurecht gelegt, und sprechen am Nachmittag den ersten spanischen Mitarbeiter des Mediamarktes an. Da antwortet er: " Wie kann ich Euch helfen?" Daniel war überaus hilfsbereit und ich verlies mit einem neuen und vollfunktionalem Smartphone das Fachgeschäft.

Unser Wohlstand zu Lasten kommender Generationen 

02.06.2023

Durch Andalusien, eine Region mit Städten wie Marbella, Malaga, Torremolinos und anderen bekannten Ferienzielen, fahren wir und haben permanent den Geruch von frisch zubereitetem Fisch in der Nase. Die Navigations-App leitet uns oft über die Promenaden der Ortschaften. Die Stühle und Tische der Cafés und Restaurants sind hier so angeordnet, dass es mitunter schwer fällt, die schweren Räder hier durch zu manöverieren.

Die Restaurants sind im Gegensatz zu denen an der Atlantikküste gut gefüllt. Und vor den Diskotheken und Clubs bilden sich schon kurz nach Mittag die ersten Schlangen. Partystimmung bestimmt die Szenerie in einigen Orten. Es hat den Anschein, dass es mit jedem Tag ein wenig wärmer wird. Wir fahren am Wasser entlang und dann geht's wieder in die Berge. Vor zwei Tagen haben wir die bisher gestrampelten Höhenmeter addiert und sind auf bisher 36.220 gekommen. 

Das Landschaftsbild wird hier in Andalusien bis tief in die Berge durch unzählige Gewächshäuser aus heller Plastikfolie dominiert. Kein schöner Anblick, allerdings wird hier das Obst und Gemüse für Europa produziert. Der Umsatz beläuft sich pro Jahr auf ca. 14 Milliarden Euro. Da die Folien der Gewächshäuser ständig der Witterung ausgesetzt sind, gesellen sich auch die abgelösten Plastikfetzen zu den vielen tausend Plastikflaschen in den Straßengräben. Diese werden unweigerlich ins Mittelmeer geblasen. Eine schlimme Entwicklung für die Umwelt. 

Der Wassermangel in Andalusien zeigt sich deutlich beim Über- oder Durchqueren der Flüsse. Tatsächlich ist es so, dass man zum Queren mancher Flüsse keine Brücke benötigt. Einige Straßen führen einfach durchs Flussbett. Eine trübe Aussicht für das Land und die tollen Menschen, denen wir jeden Tag in den Cafés, Hotels, beim Einkaufen oder einfach auf der Straße begegnen. Leider sprechen viele, auch junge Menschen, kein Englisch, so dass die Verständigung etwas schwierig ist. 

Die vielen tausend afrikanischen Erntehelfer, die in bescheidenen Unterkünften entlang der Felder und Gewächshäuser untergebracht sind, gestalten ihr Leben nach ihrer Herkunft, tragen die Kleidung der Heimatländer, bereiten ihre typischen Speisen oder essen in ihren Restaurants. 

Landschaftlich hat das Land soviel zu bieten. Es ist nicht nur daher verständlich, dass so viele Touristen hier Ihren Urlaub verbringen  wollen.

Obst und Reis von der Costa Blanca

09.06.2023 

Alicante ist eine weitere große Hafenstadt an der Costa Blanca im Südosten Spaniens und die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Wir haben uns einen Ruhetag gegönnt, um die Stadt etwas näher kennenzulernen. Mit Blick auf den Geldbeutel bezogen wir in 15 Kilometern Entfernung von der Stadt eine kleines Hotel unweit des Flughafens und fuhren am morgen des 4. Juni in die Stadt. Ein steiler Weg brachte uns zum mittelalterlichen Castillo de Santa Bárbara, das auf einem gewaltigen Hügel mit eindrucksvollem Blick über die Stadt und Mittelmeerküste liegt. Wieder eine tolle Promenade und gleich nebenan das intensive Strandleben. Tausende Menschen flanieren durch die Straßen, sitzen in den Restaurants und erfreuen sich an einen leckeren Kaltgetränk oder einem Kaffee. Ich bin mir nicht sicher, ob wir es bereits erwähnt haben, die Speisen und Getränke sind im Schnitt 20 bis 30 Prozent günstiger als bei uns in Deutschland.

Am Abend sind wir zurück in Elche und essen hier zu Abend. Es war sehr lecker. Jedoch konnten wir es wegen der großen Anzahl an Moskitos nicht angemessen genießen. So zogen wir uns auch bald auf unser Zimmer zurück, um die nächsten Unterkünfte zu planen, die Tour anzupassen und den  bevorstehenden Bericht zu schreiben. Heute, am 5. Juni geht's weiter nach Altea. Auf dem Weg dorthin fahren wir auch durch Benidom, ein Ferienort, der nicht nur aufgrund des Liedes der Bläck Fööss bekannt wurde.

In Altea hatten wir über Booking.com ein kleines Hotel gebucht. Manchmal muss man einfach Glück bei der Wahl der Unterkunft haben. Das Hotel befand sich mitten in der Altstadt von Altea, oberhalb der Stadt. Die Atmosphäre war einfach toll. Und die Bilder sind vergleichbar mit denen der Ortschaften griechischer Inseln in der Ägäis. Einzig, die braunen Dächer machen hier einen Unterschied.

Nach weiteren zwei Fahrtagen erreichen wir Valencia. Bis zu unserem Ziel, heute am 7. Juni, durchqueren wir eine unglaublich große Fäche mit Reisfeldern. Uns war nicht bewusst, dass hier in Spanien Reis angebaut wird. Auf einer Strecke von 50 Kilometern zu beiden Seiten der Strecke nur Reis-Setzlinge. Wir fuhren durch Valencia, schauten uns in der Stadt ein wenig um und mussten feststellen, dass man hier mehr als ein paar Stunden hätte investieren müßen, um einen Eindruck von der wahren Größe und den Vorzügen der Stadt zu bekommen. 

Das nächste Etappenziel ist Tarragona und Barcelona. So fahren wir heute, am 8. Juni von Valencia nach Castello. Diesmal durchqueren wir Orangen- und Clementinen-Plantagen. Diese Früchte gedeihen aufgrund des Klimas hier besonders, "so ist zu lesen". Zur Bewässerung der Felder wurde ein gewaltiges Wasserverteilsystem angelegt, welches jedoch, vermutlich aufgrund des Wassermangels, nicht mehr genutzt wird. Stellt sich die Frage, wie das knappe Wasser zu den Orangen- und Mandarinenbäumen gelangt?

Am Freitagmorgen machen wir uns nach einem sehr guten Frühstück auf die nächste Tagestour nach Benicarlo. Ein Teil der Tour verläuft am Wasser entlang. Vermutlich war der Weg "Via verde del Mar" früher auch eine Bahnstrecke. Zum Teil ist der Weg regelrecht aus den Felsen gehauen und ein paar Kilometer weiter dient ein Tunnel zur Durchfahrt. Tolle Bilder auf der Strecke. Das wars zunächst einmal und wir freuen uns nun auf Barcelona. 

Erinnerungen

17.06.2023

Wie bereits berichtet, fahren wir inzwischen große Strecken auf den Provinzstraßen (bei uns "Bundesstraßen"). Hier kommen wir zwar schnell voran, müssen aber auch darauf hoffen, dass die übrigen Verkehrsteilnehmer acht auf uns geben. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, fahren wir in die am Wasser liegenden Ortschaften, um das muntere Treiben der ausländischen Touristen und spanischen Urlauber zu genießen sowie die kulinarischen Angebote wahrzunehmen. 

Wir frühstücken oft in unseren Unterkünften und machen uns anschließend (ca. 10 Uhr) auf den Weg. Für die erste Pause nach ca. 20 bis 30 Kilometern halten wir Ausschau nach einem geeigneten Straßen-Café. In diesen Cafés treffen wir sehr oft auf ältere Gäste, die sich hier offensichtlich regelmäßig verabreden. Sie unterhalten sich bei einem Kaffee, der zwischen 1 und 1,50 Euro kostet. Die Unterhaltungen werden sehr intensiv und laut geführt und das Miteinander dauert schon mal mehrere Stunden. Das Café dient also hier in Spanien und auch in Portugal als Begegnungsstätte für verschiedene Personenkreise. So etwas hat bei uns in Deutschland nicht mehr Tradition. 

Da wir unsere Tour auch der Unterstützung und Werbung für die Diakonie Düsseldorf widmen, kam uns in einem der Cafés die Idee, den Vergleich der südeuropäischen Gewohnheiten mit denen der Deutschen zu bemühen, um auf das Defizit bei uns aufmerksam zu machen. Seit Beginn unserer Tour halten wir unsere Erlebnisse und Erfahrungen in Bildern und Videos fest. Wenn wir wieder zurück sind, wird der WDR Düsseldorf Sequenzen unserer Bilder und Videos in der Sendung "Lokalzeit" zeigen. Wir werden dann auch Gelegenheit bekommen, über das Engagement der Diakonie für ältere Menchen mit geringem Einkommen und der Gefahr, der Vereinsamung, zu sprechen. So versuchen wir uns auf der Tour also auch als Reporter, Kameramann und Moderator.

Der Betreiber des Hotels in Torredembara, ca. 80 Kilometer vor Barcelona wünschte für die weitere Tour alles Gute und bemühte sich, uns auf spanisch einige Hinweise für die Weiterfahrt nach Barcelona zu geben. Um welche Hinweise es sich genau handelte, bemerkten wir, als wir uns auf der Küstensstraße kurz vor Barcelona befanden. Sie hat alles, um zumindest für Fahradfahrer als gefährlich bezeichnet zu werden. Die relativ schmale Straße geht an der Steilküste mit vielen S-Kurven und einer gehörigen Steigung nach oben. Da der Kraftfahrzeugverkehr zum Überholen von Fahrrädern mindestens einen Abstand von 1,5 Metern einhalten muss, bildeten sich immer wieder kleine Staus hinter uns.

Mit unserer inzwischen antrainierten Muskelkraft und der elektrischen Unterstützung "jagen" wir die Straße mit bis zu 25 Stundenkilometern hoch. Dort wo die Möglichkeit bestand, die aufgestauten Kraftfahrzeuge vorbei zulassen, scherten wir kurz ein. Oben angekommen nahmen wir eine kräftigen Schluck aus der Trinkflasche, warteten darauf, dass der Puls etwas zurückging und genossen die Abfahrt. Überholt wurden wir auf den Abfahrten selten, da wir bis zu 70 Stundenkilometern schnell waren und wir die Spur aus Sicherheitsgründen für uns beanspruchten. Unten angekommen, ging es wieder weiter auf Nebenstraßen und Fahrradwegen, die erneut kleinere Geschicklichkeitsprüfungen für uns bereit hielten. 

Hier querten wir eine Bahnstrecke mit einem Tunnel, der uns geradezu maßgeschneidert erschien. (Siehe Foto "Mini Tunnel"). Hier und da werden wir bei Pausen in den Cafés oder in den Städten auf unsere Tour angesprochen. Das Thema Altersarmut scheint jedoch nicht attraktiv genug für die meisten Urlauber zu sein. Auf der Strecke bekommen wir allerdings Anerkennung durch hupen, winken und Daumen hoch. Die Bekundungen gelten aber eher der körperlichen Leistung und der damit vermiedenen Umweltentlastung. Im Hafen von Tarragona lag eine Motorjacht, 85 Meter lang. Das Schiff soll laut Internet-Info mehrere 100-Milionen Euro gekostet haben. Der CO2- Ausstoß einer solchen Jacht liegt bei ca. 20.000 kg CO2/Tag. Somit ist der CO2-Ausstoß der Jacht um 66.666 mal höher als der unserer Fahrräder.

Am 12.06.2023 erreichten wir Barcelona. Das zweite mal auf unserer Reise hatten wir uns auf einem Campingplatz einquartiert. Nahezu unter der Startbahn des Flughafens El Prat, von der die Flieger bis ca. 24 Uhr im Minutentakt abheben. Die 15 Kilometer ins Zentrum der Stadt fuhren wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus). Es war Dienstag und es waren so viele Menschen an den Sehenswürdigkeitem und den bekannten Flaniermeilen, dass wir auf die Nebenstraßen auswichen. Das Preisniveau hat inzwischen jenes der deutschen Großstädte erreicht.

Die französische Mittelmeerküste ist nun unser nächstes Zwischenziel. 

Stürmisch 

22.06.2023 

Am Tag war es stürmisch und abends waren die Auswirkungen an der Küste zu spüren.

Französische Lebensart 

23.06.2023 

Der erste, für uns bekannte Ort in Frankreich ist Perpignan. Auf dem Weg dorthin fahren wir laut Karte durch mehrere Ortschaften. Dies auch, wegen der liebgewordenen Kaffepause unterwegs. Tatsächlich jedoch sind die Ortschaften "Campingplätze", die allerdings mit dem Campen, wie wir es kannten, nichts mehr zu tun haben. Die Plätze sind mitunter so groß, dass man ohne Navigation kaum klarkommt. Selten sind Zelte zu sehen, die Wohnmobile dominieren in Anzahl und Größe. Und auch Hütten, Holzhäuser, von bescheidenen mit zwei Betten, bis zu solch großen, mit mehreren Zimmern, Küche und Terrasse. 
Das erste Ziel in Frankreich war jedoch La Jonquera am 16. Juni. Wir hatten uns vorgenommen, noch einige französische Küstenorte zu erkunden, bevor wir uns auf den Heimweg machen.

Nachmittags kamen wir in einem alten Landhaus an. Ein großer Garten mit Pool, Stühlen und Tischen zum relaxen, eine Terasse und viele Bäume zum Schutz vor der Sonne. Das Zimmer war weniger beeindruckend. Sehr klein, für eine Übernachtung jedoch ausreichend. Am Abend wurde ein größerer Tisch im Garten eingedeckt, an dem zwölf Personen, die meisten in unserem Alter, Platz nahmen, um gemeinsam ein Dreigängemenue zu sich zunehmen. Auch wir setzten uns an einen der Gartentische, packten den im Supermarkt gekauften Salat und Brot aus und ließen es uns ebenfalls mit einer Flasche Wein gut schmecken. Als die Gruppe (Franzosen) den dritten Gang zu sich nahm und der Wein auch dort die Stimmung etwas gelockert hatte, zückte ich meine Mundharmonika und sorgte für etwas musikalische Untermalung. Das Lied "Lilli Marlene" kam besonders gut an. Es wurde auch mitgesungen und die Franzosen bedankten sich für die musikalischen Beiträge mit einem Glas Wein bei uns (siehe Foto Abendstimmung).

Auf dem Weg nach Sete, einer außergewöhnlichen Stadt, - das "Venedig des Languedoc“ -, die nahezu komplett von Wasser umgeben ist, hatten wir von unserer Navigations-App mal wieder eine außerordentliche  Geschicklichkeitsprüfung gestellt bekommen. Die App führte uns über eine ca. 1,5 Meter breite und 30 Meter lange Betonrampe mit ca. 35 Prozent Steigung auf eine ehemalige, außer Betrieb genommene Eisenbahnbrücke. Neben den Schwellen ging es dann ca. 300 Meter über Stahlbleche, die bereits teilweise stark durchgerostet waren, auf die gegenüberliegen Flußseite. Ein wenig fühlten wir uns wie "Indiana Jones". Auch diese Prüfung haben wir bravorös erledigt.

In Sete angekommen, begaben wir uns zu unserer Unterkunft, in der wir zwei Nächte verbrachten. Das Zelt, mit zwei Betten ausgestattet, stand auf dem Privatgrundstück eines Anwesens oberhalb der Stadt umgeben von einem großen Friedhof. Eine für uns neue Erfahrung, obgleich wir dachten, wir hätten  schon alles erlebt. Die uns angebotenen Dusch-, Toiletten- und Waschgelegenheiten entsprachen bei weitem nicht den üblichen Standards.

Die Stadt hatte jedoch sehr viel Charme. Überall Kanäle, an dessen Ufern die Schiffe lagen. Viele Straßen-Restaurants mit sehr ansprechend gedeckten Tischen, weißen Stoff-Tischdecken aber auch einfache Straßen-Cafés, die allesamt gut besucht waren. Das Highlight des Aufenthalts war der Besuch der Kaimauer am Abend vor unserer Abreise am 20.06.2023. Schon die Nacht davor war eine sehr windige und so schlugen die Wellen heftig und eindrucksvoll gegen die Befestigungen der Hafenalage. Dazu die Beleuchtung aus der Stadt, dem Leuchtturm und den Spots von einem Music Festival, welches ebenfalls an diesem Abend stattfand. 

In den nächsten Tagen geht es über Arles, Avignon, Nimes nach Montpellier.
 

 

Wir freuen uns auf Zuhause 

06.07.2023 

Wer hätte gedacht, dass es in Frankreich so viele Kanäle gibt. Von Dijon angefangen, fuhren wir bis zur deutschen Grenze etwa zu 90 % auf den Fahrradwegen entlang dieser Wasserstraßen. 

Angelegt, zum Teil vor vielen Jahrhunderten, wurden sowohl Personen als auch Güter auf den Kanälen durchs ganze Land transportiert. In regelmäßiger Reihenfolge, manchmal nur einen Kilometer von einander entfernt, befinden sich Kanal-Schleusen. Diese regulieren das Wasser der Kanalabschnitte und befördern die Schiffe von einem auf ein anderes Niveau. Überall sitzen Angler, die es auf die zahlreichen, mitunter auch großen Fische in den Kanälen abgesehen haben. 

Die Unterkünfte an den kommenden Tagen hatten allesamt etwas besonderes. Zunächst trafen wir ein holländiches Paar, welches sich ein Grundstück mit 5.000 m² und ein Haus, daß mehr als sanierungsbedürftig war, vor zwei Jahren gekauft hatten. Mit viel Engagement bemühen sie sich, das Haus, das Grundstück und den Garten für Ihre Gäste herzurichten. Wir verbrachten einen sehr schönen und interessanten Abend mit den Beiden und erhielten von ihnen folgendes Feedback über Booking.com

"Es ist erstaunlich und auch bewundernswert,  was sich Menschen zumuten und auch zutrauen, um ihre gemeinsamen Träume zu verwirklichen."

Abermals stellte sich eine Herausforderung, als am kommenden Tag der Fahrradweg an einer Kanalbrücke durch einen Bauzaun verstellt war. An der Brücke fanden umfangreiche Sanierungsarbeiten statt. Für uns unersichtlich und nicht angekündigt, standen wir an einem Wochenendtag vor der Brücke und hatten zu entscheiden "5 km zurück und einen neuen Weg suchen oder Bauzaun beiseite und über die verbliebene Brückenkonstruktion balancieren". Wir entschieden uns für letzteres und es ging gut. Wenn wir mit unseren Frauen unterwegs gewesen wären, wäre die Entscheidung sicherlich nicht einstimmig ausgefallen. 

Am 1. Juli fuhren wir, fast ohne einen Hinweis darauf, über die deutsch-französische Grenze und waren eine Stunde später in Saarbrücken. 

Die Mutter von Micha wohnt mit ihrem Mann in Bad Münster am Stein. Da der Ort auf unserer Route lag und die Übernachtung in einem nicht ferngelegenem Hotel geplant war, wurden wir von den beiden zum Essen eingeladen. Auch hier verbrachten wir nach einem sehr herzlichen Empfang einen kurzweiligen Nachmittag, an dem wir unsere Erlebnisse schilderten und viele Fragen zu unserer Reise beantworteten.

Wir waren wohl eine halbe Stunde wieder unterwegs, da sprang die Kette am Antriebs- Zahnkranz meines Rades ab. Da dies eigentlich sehr selten passiert, auf der Tour jedoch bereits zum dritten mal eintrat, mussten wir der Sache nun einmal auf den Grund gehen.

Das Problem wurde auch relativ schnell erkannt. Offensichtlich hatte sich die Mutter zur Befestigung des Antriebs-Zahnkranzes gelöst. Hierdurch wackelte der Zahnkranz und der Kette fehlte die notwendige Führung. Nachdem wir das Problem eine Stunde später behoben hatten, sahen unsere Hände aus, als hätten wir ein Schiffsgetriebe auseinander genommen. Um Bad Kreuznach herum stehen überall Salinen. An einer dieser Salinen befand sich auch eine öffentliche Toilette. Hier hatten wir die Gelegenheit, die schmutzigen Hände einigermaßen zu säubern. 

Am nächsten Morgen ging es weiter Richtung Koblenz. Seit Mittwoch den 5. Juli 2023 befinden wir uns auf dem uns sehr vertrauten Rheinradweg. Hier sind wir in den letzten Jahren so oft gefahren, dass wir nahezu jede Baumwurzel auf dem Weg kennen.

Inzwischen sind uns auch die Speisen in den Lokalen wieder sehr vertraut. Heute aber, am letzten Abend gehen wir in Bonn zu einem uns bekannten griechischen Lokal essen. Und morgen werden wir die letzten ca. 80 km unserer Tour nach Düsseldorf in Angriff nehmen.

Da wir regelmäßig und mit der gegebenen Sorgfalt die täglichen Tourdaten, Kilometer-, oder Höhenmeter/Tag festhalten, können wir relativ genau die mit dem Rad zurückgelegte Tourlänge von 6.310 km und die Höhenmeter mit 49.950 m angeben.

Nun freuen wir uns auf zu Hause und melden uns noch einmal in den kommenden Wochen mit Informationen zu Pleiten, Pech und Pannen, die uns jedoch die Freude an der Tour nicht nehmen konnten.