In der vielfältigen Kulturszene Düsseldorfs gibt es einen Ort, an dem sich künstlerischer Ausdruck, persönliche Entwicklung und gesellschaftliches Miteinander in besonderer Weise verbinden: das TheaterLabor TraumGesicht e.V. Gegründet wurde es 1985 von Wolfgang Keuter und Gianni Sarto in München, seit 2018 ist es im Campus Golzheim beheimatet. Heute leiten Wolfgang Keuter als Intendant und Gianni Sarto als künstlerischer Leiter gemeinsam mit Antje Orentat, 1. Vorsitzende, die Arbeit des Vereins. Der Name „Traumgesicht“ steht für das Ziel, künstlerische Entfaltung und persönliche Selbstentwicklung miteinander zu verbinden – unabhängig von Herkunft, Alter oder Bildungshintergrund der Menschen.
Bühne frei für die Entwicklung
Herzstück des TheaterLabors ist die von Wolfgang Keuter entwickelte Methode des Slow Acting. Im Zentrum steht die „Wahrheit des Augenblicks“ – die bewusste Entfaltung von Ausdruckskraft in Stimme, Körper, Atem und Sprache durch langsame Bewegungen. Die Methode vereint Schauspielkunst, Selbsterfahrung und Persönlichkeitsbildung. Im geschützten Raum können Teilnehmende sich neu entdecken, Grenzen überwinden und das eigene Selbstverständnis stärken. Wolfgang Keuter bezeichnet es als „eine Reise zu sich selbst, ohne bewertet zu werden.“
Das TheaterLabor versteht sich als offener Begegnungsort für Menschen unterschiedlichster Lebensrealitäten. Das Spektrum reicht von jungen Erwachsenen, die sich auf eine Schauspielausbildung vorbereiten, über Berufstätige in Umbruchphasen bis hin zu Seniorinnen und Senioren, die sich kreativ einbringen möchten. Der Theaterraum bietet Platz für 45 Zuschauer, ergänzt durch ein gemütlich eingerichtetes Casino, in dem vor und nach den Vorstellungen Begegnung und Austausch stattfinden. Auf der Bühne des Kammertheaters stehen auch regelmäßig Gäste wie Lars Wellings, Studierende der Robert Schumann Hochschule sowie der Heinrich-Heine-Universität, das Tanz-Ensemble der Folkwang-Universität der Künste und viele freie Gruppen.
Mitmachen hinter den Kulissen
Die gesamte Infrastruktur – von der Technik über Kostüm und Maske bishin zum Service im Casino – managen aktuell 14 Ehrenamtliche. Das TheaterLabor sucht weitere Unterstützer*innen. „Der Einsatzbereich ist vielfältig: zum Beispiel im Service im Casino, in der Kostümwerkstatt oder als eine Art Allrounder mit einem Faible für (Bühnen-)Technik“, berichtet Antje Orentat. „Dabei ist die Zeiteinteilung flexibel und orientiert sich an den Möglichkeiten der Ehrenamtlichen. Die Vorstellungen finden meist am Wochenende statt“, ergänzt Gianni Sarto.
Neben dem Mitwirken an einem sinnstiftenden Kulturprojekt profitieren Ehrenamtliche von regelmäßigen Austauschtreffen, einem freundschaftlichen Miteinander sowie kostenfreien und freiwilligen Fortbildungen der Diakonie Düsseldorf.
Das TheaterLabor TraumGesicht e.V. steht für ein Ehrenamt, das weit mehr ist als eine Aufgabe – es ist eine Möglichkeit, Teil einer lebendigen, kreativen Gemeinschaft zu werden, die Kultur und soziales Engagement miteinander vereint.
Alexander Willich
Ein Ehrenamt zwischen Bühne und Mikrofon
Ehrenamtliches Engagement kann vieles sein – pragmatische Hilfe, soziale Verantwortung oder kreative Selbstverwirklichung. Im Fall von Alexander Willich ist es eine Verbindung aus all dem – und für ihn persönlich noch mehr. Der 35-jährige promovierte Germanist bringt seine Begeisterung für Ton, Stimme, Aufnahmetechnik und Theater in den Podcast „Slow Acting - Zeit für Langsamkeit“ ein, den er seit 2023 ehrenamtlich für das TheaterLabor TraumGesicht e.V. produziert.
Alexander Willich, geboren in Dinslaken, ist hauptberuflich als Dozent an der Heinrich-Heine-Universität tätig. Er hat ein großes Faible für Tonaufnahmen, Audiobearbeitung und den präzisen Schnitt.
„Als Hobby-Musiker habe ich mir über die Jahre ein kleines Heimstudio aufgebaut, zudem erstelle ich regelmäßig Lehrvideos für meine Studierenden“, berichtet Alexander mit Begeisterung. Mit dem Podcast für das TheaterLabor macht er Gedanken und Emotionen hörbar und setzt seine technische Leidenschaft sinnvoll ein.
Hinter die Kulissen hören
Der Podcast „Slow Acting - Zeit für Langsamkeit“ erscheint alle zwei Wochen und gibt Einblicke in die Projekte, Themen und Denkweisen des TheaterLabors.
Gemeinsam mit Wolfgang Keuter (Intendant), Antje Orentat (1. Vorsitzende) und Gianni Sarto (künstlerischer Leiter) führt Alexander Willich Gespräche, plant Inhalte und kümmert sich um Aufnahme und Schnitt. Im Mittelpunkt steht oft das Slow Acting – die entschleunigte Schauspielmethode des TheaterLabors, bei der es um Präsenz, Achtsamkeit und die „Wahrheit des Augenblicks“ geht.
Alexander Willichs technische Erfahrung, seine präzise Sprache und sein feines Gehör machen ihn zur idealen Stimme hinter dem Podcast. Jede Folge entsteht mit viel Sorgfalt – von der Mikrofonwahl bis zum finalen Export. Etwa zwei Stunden Arbeit stecken in jeder Ausgabe, die er gut in seinen Alltag integrieren kann. „Für mich ist das nicht Arbeit, sondern kreative Bereicherung“, sagt er lächelnd.
Leidenschaft, die hörbar ist
Über 4.500 Klicks hat der Podcast allein in diesem Jahr erzielt – ein Erfolg, der zeigt, wie sehr das Format Menschen erreicht. Für Alexander Willich bedeutet sein Engagement nicht nur fachlichen Austausch, sondern auch persönliches Wachstum. „Ich lerne ständig dazu – über Theater, über Technik, über Kommunikation. Und das alles in einer Atmosphäre, in der man sich willkommen und gebraucht fühlt.“
Der Verein bietet ihm nicht nur einen Rahmen für sinnstiftende Kulturarbeit, sondern auch ein Umfeld, das inspiriert. Die offene Atmosphäre, die Begegnungen mit Gleichgesinnten und das gemeinsame Ziel, etwas Echtes zu schaffen, machen die Arbeit für ihn besonders wertvoll.
Pünktlich zum 40-jährigen Jubiläum des TheaterLaborsim vergangenen Jahr, startete die dritte Staffel des Podcasts – getragen von seiner Stimme, die nicht nur erzählt, sondern berührt.
Wer Interesse hat, sich ebenfalls ehrenamtlich im TheaterLabor TraumGesicht e.V. zu engagieren, erhält weitere Informationen in der Freiwilligenzentrale.
Texte: Catherine Bouchon
Fotos: Ralf Eppink